Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 2015-18 - 31.08.2015

Bewährte Rezepte für gute Arbeit: NGG und DGB empfehlen dem DeHoGa mit guten Arbeitsbedingungen Nachwuchsproblemen zu begegnen

Seit Jahren warnen Arbeitsmarktforscher vor dem Fachkräftebedarf in Deutschland. Doch nicht nur der demographische Wandel ist eine Ursache dafür, dass diverse Branchen keinen Nachwuchs finden. Für Bewerber sind oftmals die Arbeitsbedingungen richtungsweisend, wenn die Entscheidung getroffen wird, in welcher Branche sie zukünftig arbeiten wollen.

Für Gastronomen und Hoteliers wird die Suche nach qualifiziertem Personal und Auszubildenden immer mühsamer. „Die Nachwuchssorgen der Gastronomie sind zu einem großen Teil hausgemacht“, erklären die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Mittelfranken übereinstimmend. Unattraktive Arbeitszeiten, geteilte Dienste, Saisonarbeit und Überstunden machen die Branche für junge Menschen unattraktiv.

„Viele Beschäftigte und Auszubildende im Gastgewerbe sind mit Leib und Seele in Küche, Service oder an der Rezeption tätig und lieben ihren Beruf“, erklärt Regina Schleser, Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Nürnberg. Schleser führt fort: „Deshalb werden grundsätzlich die strukturell ungünstigen Arbeitsbedingungen sowie die Belastung durch hohe Flexibilität und Leistungsdruck akzeptiert.“

Durch die immer schlechter werdenden Rahmenbedingungen verlassen vermehrt Fachkräfte die Branche, die Abbrecherquote ist mit 30 % bei der Ausbildung zum Koch exorbitant hoch oder eine Lehre in der Gastronomie wird erst gar nicht in Erwägung gezogen.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGA) beklagt, dass ein Drittel der gemeldeten Ausbildungsstellen nicht besetzt werden kann. Eine Vielzahl der Betriebe versucht seit einiger Zeit über dem ausländischen Arbeitsmarkt ihren Bedarf dauerhaft zu befriedigen. Aus der Not ließe sich sogar eine Tugend machen, denn nicht jeder Gast spricht Englisch oder Deutsch. Hier bieten Fachkräfte aus dem Ausland einen sehr guten Ansatz, bestehende Lücken zu schließen und Defizite zu überwinden.

Eine Integration der Flüchtlinge kann daher auch eine sinnvolle Maßnahme sein, um den Fachkräftebedarf entgegen zu wirken. „Allerdings muss hier aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt werden!“, fordert Stephan Doll, Chef des DGB Mittelfranken. „Diesen Menschen muss zeitnah die Möglichkeit gegeben werden, sich in den hiesigen Arbeitsmarkt einfügen zu können. Aber nicht zu den Arbeitsbedingungen, welche „inländische“ Beschäftigte aus der Branche getrieben haben!“

Regina Schleser listet auf: „Leider erhalten viele Beschäftigte für ihre Arbeit weder die entsprechende Wertschätzung, noch Löhne, die auf Basis des Normalarbeitsverhältnisses ein auskömmliches existenzsicherndes Leben ermöglichen“. Sie fährt fort: „Tarifflucht der Arbeitgeber, unbezahlte Mehrarbeit und Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz, auch schon während der Ausbildung, tragen ebenso dazu bei.“

Die Forderungen des Hotel- und Gaststättenverbandes, beispielsweise nach einer Verlängerung der täglichen Arbeitszeit auf 12 Stunden, wirkt in Hinsicht auf moderne Arbeitsbedingungen kontraproduktiv. DGB und NGG fordern die Arbeitgeber auf, mit guter Planung die Arbeitszeit gesetzeskonform zu gestalten. Das unternehmerische Risiko, notwendige Zeitreserven bei langen Veranstaltungen nicht ausreichend eingeschätzt zu haben, darf nicht auf die Beschäftigten abgewälzt werden. Auch die Beschäftigten im Gastgewerbe haben ein Recht auf Lebens- und Freizeit, weshalb sich die Gewerkschaften mit allen Mitteln gegen eine Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes einsetzen werden.

Der Chef des DGB Mittelfranken fordert Wirtschaftsreferent Dr. Michael Fraas auf, einen runden Tisch für gute Ausbildung und Arbeitsbedingungen im Hotel- und Gaststättengewerbe zu schaffen und sich dem Thema anzunehmen. Die Besucherzahlen bei den Touristen der Stadt Nürnberg sind in den letzten Jahren immer wieder gestiegen. Erst kürzlich ist die Kaiserburg als Tourismusmagnet gerühmt worden. „Die Gäste wollen in Nürnberg essen, einen Kaffee genießen und abends das Flair der Altstadt in einer Kneipe erleben“, fasst Stephan Doll zusammen. Er argumentiert weiter: „Daher ist es wichtig, dass auch die fränkische Gastronomie weiter mit Fachkräften besetzt wird.“

 

NGG und DGB empfehlen den Arbeitgebern des Gastgewerbes dringend für gute Arbeitsbedingungen und Vergütungen zu sorgen, sowie ihre überwiegend mitbestimmungs- und gewerkschaftsfeindliche Haltung zu ändern. Wo Mitbestimmungsmöglichkeiten der Belegschaften durch die Behinderung von Betriebsratswahlen verhindert werden und tarifliche Bezahlung die Ausnahme ist, sind Imageprobleme vorprogrammiert und selbst verschuldet.

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