Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 012 - 22.02.2013

DGB warnt: Über 5.700 Jugendliche sind in Nürnberg auf Hartz IV angewiesen

Nach einer aktuellen Auswertung waren in Nürnberg 5.748 Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren auf Hartz IV angewiesen. Jugendarmut in Nürnberg ist leider keine gesellschaftliche Randerscheinung. 10,2 Prozent aller in Nürnberg lebenden Jugendlichen sind direkt von Armut betroffen. „Diese jungen Menschen erfahren einen gesellschaftspolitischen Skandal bereits in jungen Jahren. Sie wachsen in Verzicht auf und erfahren ein höheres Risiko für eine mehrfache Benachteiligung“, so Tina Malguth, Jugendsekretärin des DGB Mittelfranken.

In Bayern sind 49 % der hilfebedürftigen Jugendlichen in den letzten beiden Jahren bereits mindestens 21 Monate auf Hartz IV angewiesen. Diesen jungen Menschen ist die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verwehrt.

„Die Hartz IV-Regelsätze sind in den letzten Jahren deutlich hinter der Preissteigerungsrate zurück geblieben und können auch für Jugendliche das gesellschaftliche Existenzminimum nicht sicher stellen. Sie wachsen in Familien mit wenig Geld, schlechten und Wohnverhältnissen auf. Oftmals haben sie keine Chance im Ausbildungssystem und in der Arbeitswelt“, erklärt der DGB Regionsvorsitzende, Stephan Doll weiter.

Nur etwas weniger als ein Viertel(1.339) der auf Hartz IV angewiesenen Jugendlichen ist arbeitslos gemeldet. Weitere 476 nahmen an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teil. „Die weit überwiegende Mehrzahl der hilfebedürftigen Jugendlichen besucht noch die Schule, ist in der Ausbildung, erwerbstätig oder betreut ihre Kinder unter 3 Jahren“, kritisiert Tina Malguth.

Hilfebedürftigkeit bei jungen Menschen hat viele Ursachen. Besonders auffallend ist, dass dabei meist nicht die eigene Arbeitslosigkeit zur Bedürftigkeit führt, sondern die Gründe vielmehr in den begleitenden familiären Lebensumständen liegen. Die Mehrzahl der als nicht arbeitslos registrierten jungen Menschen dürfte noch zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen. Da sie oft noch bei ihren Eltern oder einem Elternteil leben, ist entweder mindestens ein Elternteil arbeitslos oder trotz Erwerbstätigkeit kann das gesellschaftliche Existenzminimum der Haushaltsgemeinschaft nicht gesichert werden.

„Die Armut von Jugendlichen ist weitgehend auf das Fehlen von existenzsichernden Arbeitsplätzen der Eltern zurückzuführen. ARMUT WIRD VERERBT“, beklagt Stephan Doll.

Tina Malguth fordert: „Um diesen Jugendlichen einen dauerhaften Ausstieg aus den prekären Lebensverhältnissen zu ermöglichen, hilft ein schlichtes Parken in beruflichen Warteschleifen oder die Zuweisung in Ein-Euro-Jobs nicht. Um die Spirale von Armut und Perspektivlosigkeit für viele Jugendliche zu durchbrechen, macht der DGB Regionsvorsitzende und die DGB Jugendsekretärin folgende Vorschläge:

  • In Stadtteilen mit hohem Anteil hilfebedürftiger Jugendlicher sollten – mit Unterstützung des Landes – die Investitionen in die soziale und bildungspolitische Infrastruktur ausgebaut werden. Zugleich benötigen leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler eine frühere und intensivere Unterstützung und zusätzliche Förderangebote.
  • Bei der Förderlandschaft für benachteiligte Jugendliche ist ein intransparenter Maßnahme-Dschungel entstanden, der für viele Jugendliche und ihren Eltern kaum durchdrungen werden kann. Um Armut und Ausbildungslosigkeit möglichst überwinden zu können, sollten die Beratungs- und Betreuungsangebote unter einem Dach gebündelt werden.
  • Jugendliche, die die Voraussetzungen für eine betriebliche oder außerbetriebliche Ausbildung mitbringen, dürfen nicht länger mit berufsvorbereitenden Maßnahmen abgespeist werden. Darüber hinaus braucht es existenzsichernde Löhne, um Jugendliche selbst bzw. deren Eltern(-teile) längerfristig eine Überwindung der Hartz IV-Bedürftigkeit zu ermöglichen.


Insgesamt fordert der DGB und die DGB Jugend arbeitsmarkt-, bildungs- und sozialpolitische Maßnahmen, die die unterschiedlichen Lebenssituationen junger Menschen einschließen.

 


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