Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 2016-02 - 27.04.2016

Ungebremster Anstieg der prekär Beschäftigten

DGB Mittelfranken ruft zu Mai-Kundgebungen auf

Der Mindestlohn feierte im Januar seinen ersten Geburtstag. Führende Wissenschaftsinstitute und –forscher bescheinigen den Gewerkschaften einen Erfolg mit dessen Einführung. Ein Nebenerfolg war, dass sich die Anzahl der sogenannten Mini-Jobs verringerte und im Vergleich dazu die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen anstiegen. Bedauerlicherweise ist der Anteil von Leiharbeit, Werkverträge und Teilzeitstellen an der Gesamtbeschäftigung weiter angestiegen und befindet sich auf dem höchsten Stand seit 13 Jahren.

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichte jetzt die neuesten Zahlen für 2015 zur Entwicklung des Arbeitsmarktes. Bundesweit waren knapp 40 Prozent prekär beschäftigt! Auch in der Metropolregion Nürnberg steigen die Zahlen seit 2003 ungebremst an. Die Arbeitsmarktzahlen 2015 haben sich erfreulicher positiv entwickelt. Aber auch im letzten Jahr nahm die Anzahl der TeilzeitarbeiterInnen und LeiharbeiterInnen erneut zu“, mahnt Stephan Doll an. Der Chef des DGB Mittelfranken führt fort: „Die Einführung des Mindestlohns ist nur ein erster Schritt auf dem Weg zu einem gerechten und sozialen Arbeitsmarkt. Die wirksame Bekämpfung von atypischer Beschäftigung muss endlich angegangen werden!“

 

Den WSI-Daten zufolge arbeiteten 2015 etwa 22,4 Prozent aller abhängig Beschäftigten in Teilzeitjobs. Diese Gruppe macht damit den größten Anteil der atypischen Beschäftigung aus.

„Häufig entspreche Teilzeitarbeit nicht den tatsächlichen Arbeitszeitwünschen der Beschäftigten", erklärt Stephan Doll weiter. Bei 14,4 Prozent der Beschäftigten ist ein Mini-Job der Hauptverdienst. Doll fragt sich: „Wie soll man in Deutschland von diesem Lohn ohne staatliche Unterstützung leben? Spätestens bei der Rente schnappt die Armutsfalle zu!“

In Nürnberg stieg der Anteil im Vergleich zum Vorjahr um 0,7% auf 37,7%. Das sind alleine im Stadtgebiet über 120.000 Personen. Aber auch die Städte Erlangen (35,8% (+0,9%)) und Fürth (36,2% (+0,5%)) waren von der Steigung betroffen. „Mittelfranken liegt knapp unter dem bayerischen und deutschlandweiten Schnitt, aber das kann kein Grund zur Freude sein!“, betont Stephan Doll und ruft auf: „Auch im, von der CSU erklärten, „Musterland“ Bayern bekommt kein Beschäftigter von den Arbeitgebern etwas geschenkt, was sich auch derzeit in den Tarifrunden öffentlicher Dienst und in der Metall- und Elektroindustrie abzeichnet. Kommt zu den Kundgebungen am 1. Mai, denn es ist Zeit für mehr Solidarität!“

Unter diesem Motto veranstaltet der DGB bundesweite seine traditionellen Maikundgebungen. Auch der DGB Mittelfranken greift dieses Motto am kommenden Sonntag auf. Bei 12 Veranstaltungen in ganz Mittelfranken machen er und seine Hauptredner auf die derzeitigen Probleme am Arbeitsmarkt, bei der Tarif- und Rentenpolitik, der Altersarmut und dem Rechtsextremismus und –populismus aufmerksam. In Nürnberg spricht der Wirtschaftswissenschaftler und ehemalige Uno-Chefsvolkswirt Professor Dr. Heiner Flassbeck in Nürnberg.

Weitere Informationen zu unseren Kundgebungen mit anschließenden Maifesten können unserer Homepage entnommen werden.

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