Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 19 - 24.03.2014

DGB und Frauenbeauftragte fordern zum Equal Pay Day: Lohndiskriminierung gehört endlich abgeschafft

 

Zum Equal Pay Day fordern die Frauenbeauftragte der Stadt Nürnberg, Ida Hiller, und der Chef des DGB Mittelfranken, Stephan Doll, dass die Lohndiskriminierung von Frauen endlich abgeschafft werden muss. Das diesjährige Datum am 21. März 2014 markiert das laut Statistischem Bundesamt bestehende Lohngefälle von aktuell 22 Prozent in Deutschland. Frauen müssen demnach fast ein Vierteljahr länger arbeiten, um das durchschnittliche Vorjahresgehalt von Männern zu verdienen. Der jährliche Equal Pay Day ist seit 2008 auch in Deutschland der Aktionstag, an dem auf die diskriminierenden Einkommensunterschiede zwischen beiden Geschlechtern hingewiesen wird.

„Ein Entgeltgleichheitsgesetz, der Abbau des Niedriglohnsektors und deutlich mehr Frauen in Führungspositionen sind wesentliche Maßnahmen, um die skandalöse Lohnlücke zwischen Männern und Frauen endlich zu schließen“, sagt die Nürnberger Frauenbeauftragte Ida Hiller. Nach wie vor bilde Deutschland eines der Schlusslichter in der EU, wo der durchschnittliche Entgeltunterschied circa 17 Prozent betrage. Auch wenn um die Größe dieser Lohnlücke gefeilscht werde und sie seit einiger Zeit in „unbereinigte“ und „bereinigte“ unterteilt und damit kleingerechnet werde, ist in der Öffentlichkeit ein geschlechterpolitischer Handlungsbedarf weitgehend unbestritten und wird auch als Gerechtigkeitsdefizit angeprangert.

Die Lohnlücke entsteht nicht allein durch berufliche Frauendomänen, häufig kürzere Arbeitszeiten, niedrigere Positionen von Frauen in betrieblichen Hierarchien und typische Erwerbsverläufe, sondern sie existiert genauso bei gleicher Arbeit und gleichem Arbeitszeitumfang. Stephan Doll, Chef des DGB Mittelfranken, verweist darauf: „Auch in Nürnberg sind Frauen besonders stark von Niedriglöhnen und prekärer Beschäftigung betroffen.“ Zwar gab es 2011 immerhin 10 000 Frauen mehr, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren als im Jahr 2003. Allerdings nahm die Zahl der Frauen, die Vollzeit arbeitete, im gleichen Zeitraum ab. Noch stärker als sozialversicherungspflichtige Teilzeit-Jobs wuchsen vor allem die Minijobs (ein Plus von 7 500) und Leiharbeit (ein Plus von 3 620). Der Großteil von Frauen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen arbeitet in Teilzeit mit höchstens zwanzig Arbeitsstunden, was eine eigenständige Existenzsicherung oftmals nahezu unmöglich macht. Aber auch bei den Vollzeitbeschäftigten arbeitete in Nürnberg 2010 jeder fünfte Beschäftigte für einen Niedriglohn. Selbst bei Akademikerinnen liegt das Risiko, zu einem Niedriglohn zu arbeiten, mit 11,4 Prozent doppelt so hoch wie bei den Akademikern mit nur 6,1 Prozent.

Doll und Hiller fordern deshalb gemeinsam die Politik zum Handeln auf. Der im Koalitionsvertrag beschlossene flächendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro sei ein wichtiger Schritt zu mehr Lohngerechtigkeit. Überall wo es Mindestlöhne gebe, sei der Gender Pay Gap kleiner geworden. Nur so könne die Ausbeutung von Frauen im Niedriglohnsektor endlich beendet werden. Die beschlossenen Maßnahmen müssten jetzt aber auch umgesetzt werden und zwar ohne Ausnahmen. Zudem verlangen Doll und Hiller weitere Schritte in Richtung Neuordnung der Arbeit. „Wenn heute zwei Drittel der erwerbstätigen Frauen zu wenig verdienen, um davon eigenständig leben zu können, kann uns das nicht egal sein. Ziel muss es sein, Frauen eine eigenständige Existenzsicherung zu ermöglichen und Abhängigkeiten, die mit Armutsrisiken einhergehen, zu verringern. Dazu gehört für uns vor allem auch, die geplante Absenkung des Rentenniveaus von 50 auf 43 Prozent zurückzunehmen. Denn allein durch diese Absenkung würde die durchschnittliche Rente von Frauen in Bayern von 516 auf 443 Euro sinken“, betont Ida Hiller.

Barbara Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, hat noch für dieses Jahr Eckpunkte für ein Entgeltgleichheitsgesetz in Aussicht gestellt und zugleich gesetzliche Geschlechterquoten für die Chefetagen in der Privatwirtschaft und im Öffentlichen Dienst angekündigt. „Wir werden die neue Bundesregierung beim Wort nehmen und spätestens in einem Jahr ist eine erste Bilanz zu ziehen. Wir werden dann feststellen können, ob die Lohnlücke beginnt sich zu schließen“, betont Stephan Doll.


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