Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 002 - 27.04.2012

DGB Nürnberg: Prekäre Beschäftigung weiter auf dem Vormarsch

DGB Nürnberg: Prekäre Beschäftigung weiter auf dem Vormarsch

Prekäre Beschäftigung schafft nicht nur Unsicherheit und geht meist mit einer unzureichenden Bezahlung einher, sie bietet zudem kaum Anerkennung und macht längerfristige Planungen unmöglich.

„Was hier seit Jahren passiert, ist vor allem ökonomischer Unsinn zu Lasten der Beschäftigten.  Damit wird auch noch vorprogrammierte Altersarmut in Reinform gefördert“, so Stephan Doll, Vorsitzende des DGB Mittelfranken. „Wer heute 45 Jahre in sogenannten Minijobs arbeitet, hat sage und schreibe Anspruch auf 140 € Rente im Monat“, stellt Doll klar.

Laut DGB arbeiteten im Jahre 2010 etwa 7,9 Millionen Menschen im Niedriglohnsektor, dies sind 23,1% aller Beschäftigten. Im Jahr 2000 waren es noch 19%. Die Steigerungen bei der Leiharbeit verdeutlichen die steile Entwicklung, die prekäre Beschäftigungsverhältnisse in den letzten Jahren vollzogen haben. So arbeiteten im Jahre 1996 lediglich 177.000 Menschen in dieser Branche. 2011 waren es 910.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Stephan Doll erklärt hierzu: „anhand dieser Zahlen wird die ganze Dynamik der prekären Beschäftigung sichtbar. Hier ist endlich Equal Pay angebracht“.

Was die Städte Nürnberg, Fürth und Erlangen bei der Entwicklung prekärer Beschäftigung betrifft zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Während in Nürnberg und Erlangen die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung seit dem Jahr 2001 steigt (Nürnberg + 3,2%, Erlangen + 17,5%) verliert die Stadt Fürth in diesem bereich 3.752 Arbeitsplätze (-8,4%).

Nürnberg und Fürth verlieren jeweils bei den sozialversicherungspflichtigen Vollzeitstellen. Nürnberg kann diesen Verlust durch eine massive Steigerung bei den sozialversicherungspflichtigen Teilzeitstellen auffangen. Zwar steigt auch in Fürth dieser Anteil, jedoch reicht dieser bei weitem nicht aus. Erlangen bildet auf der Städteachse bei dieser Entwicklung die Ausnahme. Hier steigen seit 2001 sowohl die sozialversicherungspflichtige Vollzeit- als auch Teilzeitstellen.

Allen drei Städten gemein ist ein massiver Anstieg der Minijobs seit dem Jahr 2001. In Nürnberg gibt es mittlerweile über 57.000 Minijobs  (Stand Sep. 2011). Dies entspricht eine Steigerung um +111 %. Nicht weniger dramatisch sind die Steigerungen in Erlangen (+98,3 %) und in Fürth (+84,6 %) auf nun 12.050 bzw. 9.223 Minijobs.

 Der Anteil an sogenannten Aufstockern an allen Minijobs ist in Nürnberg mit 19,4% (Fürth 14,8%, Erlangen keine Angaben) enorm hoch. Nürnberg nimmt damit in Bayern, nach Hof, einen unrühmlichen zweiten Platz ein. Um den Missbrauch von Minijobs zu verhindern und der drohenden Altersarmut entgegen zu wirken fordert der DGB u.a. die Einführung einer Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro, mit einem höheren Arbeitgeberanteil im unteren Einkommensbereich.

 „Wenn Lohndumping und prekäre Beschäftigung nicht zurückgedrängt werden, müssen bundesweit Steuer- und Beitragsmittel in Milliardenhöhe aufgebracht werden um diese Armutslöhne auszugleichen. Dadurch drohen weitere Wettbewerbsverzerrungen zwischen Unternehmen, die existenzsichernde Löhne zahlten und denjenigen, die sich die Armutsfalle zunutze machen“, so Stephan Doll. Die staatliche Subventionierung der Niedriglöhne müsse durch Mindestlöhne nicht unter 8,50 Euro die Stunde zurückgedrängt werden. Dies würde auch den immer mehr um sich greifende Missbrauch von Werkverträgen zur zusätzlichen Lohndrückerei Einhalt gebieten. Gesetzliche Mindestlöhne würden Bund, Städte und Gemeinden gleichermaßen entlasten und finanzielle Spielräume für andere wichtige Aufgaben im Bildungs- und Sozialsystem schaffen. „Dann müssten die Kommunen auch nicht nach jeder Tarifrunde im öffentlichen Dienst über zu hohe Abschlüsse klagen, sondern könnten ihren Beschäftigten das zahlen, was diese zurecht fordern“ so Doll abschließend.


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