Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 011 - 18.12.2012

Neue DGB-Statistik enthüllt: Viele Vollzeitbeschäftigte in Nürnberg erhalten nur Niedriglohn

40.369 Vollzeitkräfte in der Stadt Nürnberg verdienen miserabel. Sie arbeiteten nach einer aktuellen Erhebung des DGB für einen Niedriglohn. Im Jahr 2010 waren dies bereits 20,6 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten. Auszubildende nicht einmal mitgezählt. Auch qualifizierte Arbeitskräfte in der Stadt erhalten oftmals nur einen mickrigen Lohn.

Erstmals legt der DGB regionale Daten zum Niedriglohnsektor vor. Konkret lag die Niedriglohnschwelle 2010 in allen westdeutschen Ländern bei einem Monatsbrutto von 1.890 Euro. In Nürnberg zählten bereits 15 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten mit Berufsabschluss zu den Niedrigverdienern. Das zeigt, dass auch qualifizierte Beschäftigte den Druck auf das Lohngefüge zu spüren bekommen.

Dieses hohe Niedriglohnrisiko von qualifizierten Arbeitskräften passt nicht zu den Klagen von Arbeitgebern über Fachkräftemangel“ findet Stephan Doll, Vorsitzender des DGB Mittelfranken. „Dies ist vielmehr ein Indiz dafür, dass Beschäftigte teils im erlernten Beruf keinen Job finden oder nicht qualifikationsgerecht vergütet werden. Trotz Berufsabschluss stecken sie oftmals in Jobs für Un- oder Angelernte. Je länger diese Situation andauere, desto weniger wert ist die erworbene Qualifikation.“

Noch weit miserabler sei die Entlohnung für viele ohne Berufsabschluss. Fast 40 Prozent der Geringqualifizierten in der Stadt Nürnberg zählen nach der DGB-Auswertung zugleich zu den Geringverdienern. Damit liegt die Stadt Nürnberg deutlich über dem westdeutschen Durchschnitt von 32,6%, Das Risiko, als Vollzeitbeschäftigte/r einen Niedriglohn zu erhalten, ist für Beschäftigte ohne Berufsabschluss beinah dreimal so hoch wie für Qualifizierte. Diese Spreizung liegt ebenfalls deutlich höher als im westdeutschen Bundesdurchschnitt, wo das Risiko doppelt so hoch ist.

Insbesondere im Dienstleistungsgewerbe ist das Risiko einer schlechten Bezahlung für Qualifizierte wie Beschäftigte ohne Berufsabschluss überdurchschnittlich hoch. Menschen, die wenig verdienen, haben oftmals auch ein instabiles Arbeitsverhältnis und ein hohes Entlassungsrisiko“, betont Doll.

Die beruflichen Aufstiegschancen für Niedriglohnverdiener sind hingegen ungünstiger als in vielen anderen Industrieländern. Wer behauptet, Niedriglöhne seien Einstiegslöhne, der liegt falsch. Die Chancen, in besser bezahlte Jobs aufzusteigen, sind hierzulande relativ gering. Viel häufiger als der Einstieg in besser bezahlte Tätigkeiten, ist eine Verfestigung der Niedriglohnfalle“, warnt der DGB-Vorsitzende.

Der hohe Niedriglohnsektor in Nürnberg ist nach Einschätzung des DGB Mittelfranken auch eine Zeitbombe für künftige Altersarmut. Wer über einen längeren Zeitraum wenig verdient, wird künftig verstärkt von Altersarmut bedroht sein. Hinzu kommt, dass private Altersrücklagen bei niedrigem Einkommen so selten sind, dass das soziale Problem der Altersarmut dadurch kaum gemindert werden kann.


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