Deutscher Gewerkschaftsbund

19.11.2018

Kurt-Eisner-Platz eingeweiht

Der bisher namenlose hintere Rathausplatz wurde am 8. November zum Kurt-Eisner-Platz benannt. Frank Riegler (stellv. DGB-Vorsitzender) stellte die politische Bedeutung Kurt Eisners und seinen Bezug auf die heutigen gesellschaftlichen Konflikte dar. Eine entsprechende Aufforderung des DGB an die Stadt Erlangen fand damit aber noch keinen Abschluss. Alle Anwesenden waren sich darin einig, dass der Platz in seinem jetzigen Zustand der Bedeutung des 1. Bayerischen Ministerpräsidenten und den revolutionären sozialen Errungenschaften seiner gewaltsam beendeten Amtszeit nicht gerecht wird. Oberbürgermeister Dr. Janik sagte Haushaltsmittel für die Umgestaltung des Platzes zu und forderte die gut 50 Anwesenden zur Mitgestaltung auf.

Plaktat von Kurt Eisner

DGB Mfr.

Rede von Frank Riegler (DGB) zur Benennung des Kurt-Eisner-Platzes

08.11.2018

 

„Kurt Eisners gesamtes politisches Handeln zielte immer auf den

Bruch mit der Vergangenheit und dem Ringen um einen

überzeugenden demokratischen Neuanfang.

 

Der Einzelne sollte zu einem eigenverantwortlichen politischen

Handeln befähigt werden. Sie/Er sollte aus der traditionellen

Abhängigkeit von König, Kirche und Kapital befreit werden.

Kurt Eisner war überzeugter Humanist und ganz im Sinne von

Kant ein Vertreter der Aufklärung.

 

Diese Vorstellung von der Fortsetzung der Aufklärung im

Kant’schen Sinne veranlasste ihn schon in Nürnberg zur

Organisation von Bildungsvereinen, in denen sich die Arbeiter

und Arbeiterinnen in Sachen Demokratie schulen konnten.

Sein Bildungsanspruch richtete sich nicht an Funktionäre.

Er richtete sich an die, die verächtlich als „Masse“ bezeichnet

werden.

 

Er ist überzeugter Pazifist. Er will das Morden in diesem Welt-

Krieg beenden. Deshalb tritt er an die Spitze der Januarstreik-

bewegung in München 1918. Weit über 100.000 beteiligen sich

bayernweit an diesen Streiks, die nur eine Forderung haben:

Frieden jetzt und gleich.

 

Dafür wird der Pazifist Eisner wegen Hochverrat angeklagt und

sitzt bis zum 14. Oktober 1918 in Untersuchungshaft.

Hunger, Not, eine aussichtslose Kriegssituation führen in

Deutschland und weiteren europäischen Ländern zu einer

Situation, die den Sturz der alten Ordnung  zwingend notwendig

machen. Der Kaiser und seine Generäle erweisen sich als

unfähig, den Krieg, den sie angezettelt haben, zu beenden.

Die Bewegung gegen den Krieg ist in Bayern bereits so

mächtig, dass Kurt Eisner, nur 25 Tage nach seiner

Haftentlassung, am 08. November 1918 im Namen des

Arbeiter- und Soldatenrates die Proklamation der bayerischen

Republik, des Freistaates Bayern proklamieren kann.

„Um nach jahrelanger Vernichtung aufzubauen, hat das Volk

die Macht der Zivil- und Militärbehörden gestürzt und die

Regierung selbst in die Hand genommen. … Die Dynastie

Wittelsbach ist abgesetzt. Hoch die Republik.“

Es ist auch das Verdienst von Kurt Eisner, dass die

Machtübernahme friedlich verlief und gewaltlos blieb.

Zumindest für die ersten 100 Tage seiner Regierung.

 

Die zentralen Errungenschaften sind:

Eisner setzt sich konsequent für die Demokratisierung im

Freistaat Bayern ein.

 

Das Frauenwahlrecht wird gesetzlich eingeführt,

das Drei-Klassen-Wahlrecht abgeschafft. Im Januar

1919 gibt es die ersten freien, demokratischen Wahlen in

Bayern.

 

Der 8-Stunden-Tag wird Gesetz. Der grenzenlosen          

Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung wird damit ein

Riegel vorgeschoben.

 

Die Aufsicht der Kirchen über die Volksschulen wird zum

1. Januar 1918 aufgehoben.

 

Er setzt sich Lebensmittelbeschaffung und Arbeitsbeschaffung

ein.

 

Damit nicht genug.

 

Kurt Eisner kämpft für einen gerechten Frieden in Europa. Er

will den Siegermächten ein Deutschland zeigen, dass die alten

Mächte gestürzt hat und ein freier und gleicher Partner der

anderen europäischen Staaten sein kann. Er ist ein Pazifist der

Tat.

 

Es bleiben ihm nur 100 Tage als Ministerpräsident.

Auf dem Weg ins Parlament wird er am 21. Februar 1919

ermordet. Die Tat steht auch symbolisch für den Niedergang

der Weimarer Republik.

 

Thomas Mann schreibt dazu:

„Die hundert Tage der Regierung Eisner haben mehr Ideen,

mehr Freuden der Vernunft, mehr Belebung der Geister

gebracht als die fünfzig Jahre vorher. (…)

Sein Glaube an die Kraft des Gedankens, sich in Wirklichkeit zu verwandeln,

ergriff selbst Ungläubige. Geist ist Wahrheit!“

 

Der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Arbeitnehmerinnen und

Arbeitnehmer sind Kurt Eisner zu besonderem Dank

verpflichtet.

 

Über Jahrzehnte wurde das Lebenswerk Kurt Eisner für die

Demokratie in Deutschland und Bayern nicht respektiert,

nicht gewürdigt. Es ist längst überfällig, dem ersten bayerischen

Ministerpräsidenten den Platz in der Geschichte einzuräumen,

der diesem streitbaren, in die Zukunft denkenden Menschen

gebührt.

 

Deshalb ist es gut, dass heute ein Platz in Erlangen nach Kurt

Eisner benannt wird. Die zukünftige Gestaltung dieses Platzes

muss dann auch dem Stellenwert Ausdruck geben, den Kurt

Eisner für uns hat.“

Frank Riegler

Frank Riegler, stellv. DGB-Kreisvorsitzender Erlangen/ERHöchstadt am 08.11.2018 - Foto: DGB Mfr.


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