Deutscher Gewerkschaftsbund

Gute Bildung für alle!

Bildungspolitik mit seinen zahlreichen Facetten ist ein weiteres zentrales Arbeitsfeld für den DGB Mittelfranken und der DGB Jugend Mittelfranken. Bayern ist das Bundesland in welchem der Bildungserfolg von jungen Menschen am meisten durch die soziale Herkunft bestimmt wird. Die Herstellung von mehr Bildungsgerechtigkeit steht dabei im Zentrum der bildungspolitischen Arbeit des DGB Mittelfranken. Diese erfolgt unter anderem im Bildungsbeirat der Stadt Nürnberg, in welchem der DGB und andere nichtstädtische Expertinnen zusammen mit den städtischen Referenten und Ämtern Empfehlungen für die kommunale Bildungsarbeit entwickeln. Hauptaufgabe des Gremiums ist die Unterstützung des Bildungsbüros der Stadt bei der Erstellung des Nürnberger Bildungsberichts, der die gesamte „Bildung im Lebensverlauf“ abbilden soll. Der DGB thematisiert dabei regelmäßig die Situation der Jugendlichen, die in Warteschleifen geparkt werden, oder ohne Schulabschluss oftmals weitgehend abgehängt bleiben. Allein in Nürnberg gibt es 5.700 junge Menschen zwischen 24 und 35, die Hartz IV empfangen. Über 9.500 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren arbeiten prekär in Minijobs.

Obwohl sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt in den letzten Jahren leicht verbessert hat, stellt sich dieser weiterhin als tief gespalten dar. 2012 haben im Bereich der Arbeitsagentur Nürnberg lediglich 55,27% der Bewerber/innen (4.466) zu Beginn des Ausbildungsjahres bereits einen Ausbildungsplatz gehabt. 1.128 Bewerber/innen gaben an noch einen Ausbildungsplatz zu suchen aber für den Fall der Fälle eine Alternative zu haben. 133 Bewerber/innen waren dagegen gänzlich unversorgt. Dabei mangelt es nicht, wie oft beklagt wird, an der Ausbildungsreife dieser Jugendlichen, denn alle Bewerber/innen sind von der Arbeitsagentur als „ausbildungsreif“ anerkannt und selbst die unversorgten Bewerber/innen haben mit über 87% eine allgemeinbildende Schule erfolgreich abgeschlossen. Viele Betriebe sind aber das „Rosinenpicken“ gewohnt. Dabei wäre es jetzt bei sinkenden Bewerberzahlen Zeit, damit Schluss zu machen und sich verstärkt um Altbewerber und Jugendliche mit Unterstützungsbedarf zu kümmern. Außerdem bleibt festzustellen, dass oft in solchen Branchen Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben, in denen die Ausbildungsbedingungen aufgrund unterdurchschnittlicher Bezahlung, geringer Übernahmechancen und regelmäßigen Überstunden wenig attraktiv sind. So vermelden die Bereiche Gastronomie, Verkauf und Herstellung von Lebensmitteln vermehrt offene Stellen. Hier muss dringend an der Qualität der Berufsausbildung gearbeitet werden und die Perspektive für die Zeit nach der Ausbildung verbessert werden. Hauptforderung bleibt die Vermittlung von jungen Menschen möglichst ohne Warteschleifen in eine berufliche Erstausbildung.

Bündnis gegen Studiengebühren

dgb/mfr

Besonders für junge Menschen ohne Abschluss ist es zunehmend schwer auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Immer wieder unterstützte und initiierte der DGB deshalb auch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, die auf die Förderung von Jugendlichen und Familien mit schwierigen Voraussetzungen abzielte, wie z.B. das Projekt Tandem – Perspektiven für Familien oder Matchpoint der Stadt Fürth. Auch die Qualität der Ausbildung spielt eine große Rolle für den DGB. So wurde in Nürnberg mit 30,62% fast jeder dritte Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst und seit 2008 nimmt die Zahl der sich im Übergangssystem befindlichen Jugendlichen in Nürnberg zu. Die aktuellen Zahlen zur Ausbildungssituation in den Städten und Landkreisen in Mittelfranken präsentiert der DGB und die DGB Jugend Mittelfranken regelmäßig in Pressekonferenzen. Außerdem wird das Thema Qualität der Ausbildung und gute Arbeit regelmäßig auch in den Berufsbildungsausschüssen der HWK und IHK von Arbeitnehmerseite auf die Tagesordnung gesetzt.

Auch der Kampf für die Abschaffung der Studiengebühren und der Kostenfreiheit von Bildung war ein Arbeitsschwerpunkt der letzten Jahre. Der DGB unterstützte dabei die Studenten in den Bildungsstreiks 2009 und 2010. Einen großen Erfolg im Kampf für mehr Bildungsgerechtigkeit in Bayern konnte der DGB in einem breiten Bündnis mit verschiedenen Parteien, Studenten- und Schülervertretern im Jahr 2013 erzielen, als ein Volksbegehren zur Abschaffung der Studiengebühren in Bayern erfolgreich war und so faktisch die schwarz-gelbe Regierungskoalition zu einer Umkehr von ihrer bisherigen Politik zwang. In Mittelfranken gingen dem Volksbegehren zahlreiche Infostände und Aktionen voraus und mit 16,8% sprachen sich hier so viele Wahlberechtigte für eine Abschaffung aus, wie in keinem anderen Regierungsbezirk. Weitere Schritte in Richtung Bildungsgerechtigkeit für Bayern müssen folgen. Die Gebührenfreiheit im Bereich der beruflichen Bildung gehört dazu. Ebenso die Kostenfreiheit von der Krippe bis zur Uni und ein Weiterbildungsgesetz für Bayern. Dafür werden wir uns genauso weiterhin einsetzen wie für ein Bildungssystem, welches durch ein längeres gemeinsames Lernen allen Kindern gerecht wird. Auf unserer Bildungsagenda steht ebenso der quantitative und qualitative Ausbau der Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen, besseren Beschäftigungsbedingungen im Erziehungs- und Bildungsbereich und guter Ausbildung für alle jungen Menschen.


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